Von Ronny Müller, Jens Trommer, Sebastian Morgner, Igor Göldner POTSDAM Der SV Babelsberg 03 steht mitten im Gewitter, das Donnergrollen ist aber auch über anderen Sportvereinen in Potsdam zu hören. Die MAZ hatte gestern exklusiv berichtet, dass dem Fußball-Drittligisten wegen fehlender Sponsoringeinnahmen der Zwangsabstieg droht. Ein Grund sei der Rücktritt des Chefs der Potsdamer Stadtwerke, Peter Paffhausen. Paffhausen war über eine Bespitzelungsaffäre gestolpert und ist auch als Vorsitzender des Aufsichtsrates des SV Babelsberg zurückgetreten. Zweiter Grund ist der Rückzug mehrerer Geldgeber nach der Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im Landtag zum Sportsponsoring.
Sportvereine in Angst
Wegen der finanziellen Krise bei Babelsberg 03 zittern auch andere Klubs in Potsdam

vom 25.05.2011
Dem Fußball- Drittligisten droht der Zwangsabstieg wegen fehlender Sponsoren. Die Angst vor einem Domino- Effekt geht um.
Der Untersuchungsausschuss will neben Immobiliengeschäften des Landes auch untersuchen, ob Minister Einfluss auf die Bewilligung von Fördermitteln für Sponsoren oder Sportvereine ausgeübt haben, in denen sie Ämter innehatten. Im Fokus steht dabei der frühere Finanz- und Innenminister Rainer Speer (SPD), der Präsident von Babelsberg 03 ist.
Die Stadtwerketochter Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) unterstützt neben diesem auch andere Vereine in der Landeshauptstadt. Dort geht nun die Angst um. Anne Pichler, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes, befürchtet einen Domino-Effekt. "Es besteht die Gefahr, dass sich nicht nur die Stadtwerke aus dem Sport zurückziehen." Es sei aber wichtig, "dass städtische Unternehmen den Sport in ihrer Region unterstützen", sagt Hans-Dietrich Fiebig, Präsident des Landessportbundes. Pichler befürchtet zudem, dass die Motivation für ein Ehrenamt im Sport sinkt, "weil die Leute Angst haben, in etwas hineingezogen zu werden".
Zu den geförderten Vereinen gehört der Handball-Zweitligist VfL Potsdam. Der sportliche Leiter Ralf Kutzner hat "noch nichts mitbekommen, dass wegen des Paffhausen-Rücktritts Sponsoren ihr Engagement überdenken". Doch die Sorgen seien berechtigt. "Bisher haben alle Sponsoren zum SC Potsdam gehalten", beschwichtigt Torsten Bork, Präsident des SC Potsdam, dessen Frauen in der Volleyball-Bundesliga spielen. Hinter den Kulissen ist die Aufregung jedoch spürbar. "Unsicherheiten sind da", sagt Michael Goldschmidt, Präsident des UJKC Potsdam, dessen Judoka zu den Mitfavoriten in der Team-Bundesliga gehören. Goldschmidt: "Aber ich bin überzeugt, dass die Politik Wege findet, dass der Sport unterstützt werden kann." Bernd Schröder, Trainer des Frauenfußball-Meisters Turbine Potsdam, ist sich da nicht so sicher. "Einige Politiker stellen mit ihrem derzeit praktizierten Anti-Sponsoring-Aktionismus Potsdam ein Armutszeugnis aus", wettert Schröder.
Dietmar Demuth, dessen Zukunft als Trainer des SV Babelsberg 03 nunmehr fraglich ist, schlägt in die gleiche Kerbe. "Die Parteien haben etwas zerstört, ohne Alternativen aufzuzeigen. Die ganze Arbeit der letzten Jahre ist umsonst." Zu den Befürwortern der Abberufung Paffhausens gehört Mike Schubert, Potsdamer Fraktionschef der SPD. "Es entsteht der Zungenschlag, weil Paffhausen weg ist, kommt kein Geld mehr. Das hat niemand gefordert. Die Sponsorengelder sind nicht von Paffhausen abhängig." Dass der Ex-Stadtwerke- Boss jedoch ein Magnet für Sponsoren aus der freien Wirtschaft war, zeigt das Beispiel SV Babelsberg 03.
Potsdams Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der EWP, Jann Jakobs, spricht sich für das Sponsoring der Potsdamer Sportvereine aus. "Es ist wichtig, trotz der angespannten Situation dem Sport finanzielle Sicherheit zu geben." Jakobs sichert zu, vertragliche Vereinbarungen für die abgelaufene und die nächste Saison einzuhalten. Derzeit würden Gespräche auf Gesellschafterebene über das Sponsoring stattfinden. Der Oberbürgermeister strebt eine Regelung mit dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung an. Transparenzregelungen sollen eingehalten werden.
Der drohende Babelsberg-K.o. infolge ausbleibender Sponsorengelder spielte gestern auch am Rande der Fraktionssitzungen eine Rolle. Die oppositionelle CDU erwägt, das Thema Sponsoring in Sportvereinen im Untersuchungsausschuss zu umstrittenen Grundstücksgeschäften des Landes vorzuziehen. Das sind zum Teil dieselben Personen, sagte der Abgeordnete Dierk Homeyer. Er wies zugleich den Vorwurf als "bizarr" zurück, der Untersuchungsausschuss und die Opposition im Landtag seien schuld an der jetzigen Misere des Vereins. "Mit Sponsoring haben wir uns überhaupt noch nicht befasst." Er hielt Babelsberg 03 Verfilzung und Missmanagement vor. Dort sei mit "Großmannssucht" gearbeitet und es seien Projekte realisiert worden, die sich der Verein offenbar nicht leisten konnte.







