Von Volkmar Krause POtSDAM Marc Wiese ist der erste Zeuge, der nicht der Ladung vor den Untersuchungsausschuss gefolgt ist. Der Anwalt war als Bevollmächtigter der Thylander-Gruppe in Deutschland gestern Nachmittag zur Anhörung bestellt worden, reiste aber nicht an. Dabei hatte man sich von Wiese Aufschluss darüber erwartet, ob der dänische Immobilien-Entwickler beim Verkauf der Kaserne Krampnitz an die TG Potsdam Entwicklungsgesellschaft im Sommer 2007 mit im Boot saß oder nicht. Erst der finanzkräftige Thylander soll den Anstoß gegeben haben, dass die 112 Hektar große Militärbrache an das Firmengeflecht des Hannoveraner Anwalts Ingolf Böx verkauft wird. Aber gab es das Engagement der Dänen wirklich? Böx behauptet, dass sie sich im Zuge der Finanzkrise im Frühjahr 2008 zurückgezogen haben. Kritiker sagen, die Böxsche TG habe Thylander lediglich als Türöffner in Potsdam genutzt, ohne sich des starken Geldgebers aus Kopenhagen sicher sein zu können.
Kein Zeuge aus Kopenhagen
Thylander-Beauftragter versetzt Untersuchungsausschuss

vom 14.09.2011
Ein Zeuge kam nicht, und der zweite brachte auch nicht wirklich Licht ins Dunkel. Der Krampnitz-Ausschuss folgt den Spuren einer Grundstücks-Affäre.
Das Areal war für 5,1 Millionen Euro verkauft worden - abgewickelt von der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) im Auftrag des Landes. Gegen deren Geschäftsführer Frank Marczinek ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue. Nach Auffassung der Opposition ist das Gelände zum Schaden des Landes unter Wert an die TG Potsdam gegangen.
Wie Ausschusschef Sören Kosanke (SPD) sagte, soll Marc Wiese nun für den 15. November erneut vorgeladen werden - dann aber unter Androhung von Zwangsmitteln. Auf die war bislang verzichtet worden, weil keiner wusste, ob Wiese deutscher oder dänischer Staatsbürger ist. Die Einladung für gestern ging an eine Kopenhagener Büroadresse. Was damit geschah, war zumindest bis zum Abend völlig unklar. Auf jeden Fall gilt der Thylander-Mann als eine Schlüsselfigur im Krampnitz- Deal.
Andrea Magdeburg versetzte die wartenden Mitglieder des Untersuchungsausschusses nicht. Die 32-Jährige ist seit Januar 2008 BBG-Geschäftsführerin. Der CDU-Obmann im Ausschuss, Dierk Homeyer, versuchte innere Abläufe der im Jahr 2006 privatisierten früheren Landesgesellschaft offenzulegen. Dabei kreisten Homeyers Fragen immer wieder um ein wichtiges Datum im Krampnitz- Geschäft. Am 23. Dezember 2009 hatte die Hamburger Warburg-Bank in einem Brief an die BBG ihren Rücktritt von der Finanzierung des Kasernenkaufs erklärt. Die Bank drängte auf Rückerstattung der gezahlten Kaufpreisrate von gut 1,3 Millionen Euro und forderte eine Löschung der Auflassungsvermerke im Grundbuch. Für die TG Potsdam hätte das ein Desaster bedeutet. Sie wäre aus dem Geschäft gewesen.
BBG-Geschäftsführerin Magdeburg unterrichtete die TG Potsdam am 14. Januar 2010 vom Schritt der Bank und erklärte, dass das Geld am Tag darauf bis spätestens 12 Uhr zurückgehen müsse. Für Homeyer ist das ein klares Zeichen, dass der Rücktritt der Bank seitens der BBG anerkannt wurde. "Hätten Sie das damals vollzogen, säßen wir heute nicht hier, und der Finanzminister müsste keine Klimmzüge machen", sagte der CDU-Abgeordnete. Doch dazu sollte es nicht kommen. 26 Minuten vor Ablauf der Rückzahlungsfrist erreichte die BBG laut Homeyer ein Fax von Anwalt Böx. Darin kündigte er Gespräche des TG-Finanzchefs Rolf Haferkamp mit der Warburg-Bank an.
Die BBG verfolgte den Weg der Auflösung des Geschäfts ab diesem Zeitpunkt nicht mehr. Nach Angaben von Geschäftsführerin Magdeburg habe die Bank kein Recht gehabt, von der Finanzierung zurückzutreten. Das könne nur der Käufer. Für Homeyer zeigt sich, dass offenbar Einfluss genommen wurde: "Erst gibt es einen ordentlichen Geschäftsablauf und dann dieser plötzliche Sinneswandel." Magdeburg wollte sich nicht näher darauf einlassen. Allerdings bestätigte sie, dass das Land durch die BBG von der Absicht der Bank nie informiert worden war. Aus Sicht Magdeburgs bestand dazu keine Notwendigkeit. Homeyer hielt dagegen, dass das Ansinnen der Bank so folgenschwer gewesen sei, dass das Land als Verkäuferin hätte informiert werden müssen.
Derweil nimmt der politische Druck auf die TG Potsdam weiter zu. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linken, Christian Görke, erklärte gestern, die Investoren seien nicht seriös und wohl auch nicht in der Lage, das Projekt zu "stemmen". Während Görke jedoch weiter keinen Schaden durch den Krampnitz- Verkauf für das Land sieht, veranschlagen ihn Homeyer und FDP-Fraktionschef Andreas Büttner auf mehrere Millionen Euro.
Am Montag hatten Böx und Haferkamp auf ihre vertraglichen Rechte gepocht, das Areal zu entwickeln. Hier sollen Wohnungen für 4000 Menschen entstehen. Das Finanzministerium hat jedoch den Rückkauf des Geländes eingeleitet. Ob der rechtens ist, soll gerichtlich geprüft werden.







