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"Eines Rechtsstaates unwürdig"

Hunderte Neuenhagener und Hoppegartener demonstrieren gegen die neuen Flugroutenvorschläge

ProtestGegenFluglärm.jpg

Bild Irina Voigt/MOZ

Mit so einem Erfolg hatte keiner gerechnet. Gerhard Kümmel aus dem Heideweg, auf dessen Veranda sich zwei Wochen zuvor die Informationen über die neuen Flugroutenvorschläge erst herumgesprochen hatten, war ebenso überrascht wie die zahlreichen Politiker, die sich alle zu Wort meldeten.

In ein paar Tagen wurden insgesamt 6000 selbst finanzierte Flyer in Briefkästen verteilt, 200 Plakate und Mastenschilder aufgehängt, der Blog der Initiat i v e ( n e u e n h a g e n - fluglaerm.blogspot.com) immer wieder aktualisiert. "Die Facebook Gruppe wuchs in einer Woche auf fast 200 Mitglieder und erste Sponsoren melden sich, die anbieten, die Produktion von Aufklebern, Bannern und weiteren Aktivitäten zu finanzieren", sagte Faina Dombrowski von der Bürgerinitiative. Dass der Frust groß sein würde, war zu vermuten, aber dass sich die Neuenhagener, Hoppegartener und Abgesandte der Bürgerinitiative Friedrichshagen trotz des Regenwetters so zahlreich einfinden würden, damit hatte keiner gerechnet.

Neben Sprechern der Initiative und Bürgern kamen Landrat Gernot Schmidt (SPD), Michael Jungclaus (Landstagsabgeordneter, Grüne), der stellvertretende Neuenhagener Bürgermeister Jens Schubert, Sven Kindervater (Linke), Volkmar Seidel (Bürgermeisterkandidat Hoppegarten), Marco Büchel (Landtagsabgeordneter, Linke), Dierk Homeyer (Landtagsabgeordneter, CDU) und Jutta Lieske (Landtagsabgeordnete, SPD) zu Wort.

Niemand wollte sich mit den jetzt zur Diskussion stehenden Abflugrouten vom künftigen Flughafen BBI einverstanden erklären, die Anfang Juli von der Deutschen Flugsicherung vorgelegt worden waren. Die Vorschläge würden die 17 000-Einwohner-Gemeinde am östlichen Berliner Rand massiv betreffen. Rund 120 Flugzeuge täglich würden Neuenhagen auf der "Müggelseeroute" in einer Höhe von rund 1500 Metern queren, was zu einer enormen Lärmbelästigung führen würde.

Für Empörung sorgte vor allem die Art und Weise des Zustandekommens dieser Vorschläge. Neuenhagen war - und wird es immer noch - die Mitarbeit in der Fluglärmkommission verweigert. Auch Hoppegarten war erst vor wenigen Monaten hinzugekommen. "Das ist eines Rechtsstaates unwürdig", hatte Jens Schubert erklärt und dafür viel Beifall bekommen. Er forderte, ebenso wie die meisten anderen Redner, dass man jetzt zusammenstehen müsse und so den Kommunen, denen die Mitarbeit von der Landesregierung verweigert worden war, den Rücken stärken sollte. "Der Protest auf der Straße ist wichtig", sagte auch der Landrat, denn es könne nicht sein, dass für Potsdam die Entscheidung für die Menschen und gegen die Wirtschaftlichkeit getroffen würde, "bei uns hier genau entgegengesetzt entschieden" würde. Michael Jungclaus verwies darauf, dass es gegenwärtig immer nur um die Abflugrouten gehen und noch keiner wüsste, was mit den Anflugrouten auf die Kommunen zukäme.

Marco Büchel warf der Fluglärmkommission Versagen vor. Auch er forderte, dass Gesundheit und Lärmschutz vor Wirtschaftlichkeit gestellt werden müssten. Manfred Kurz von der Friedrichshagener Bürgerinitiative bot solidarische Unterstützung an und forderte auf, "politischen Druck zu machen". Das bedeute, sowohl Wowereit als auch Platzeck "zu zwingen, die Vorschläge zur Ostabbiegung genau zu prüfen und den Vertrauensschutz zu gewährleisten".


 
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