Von Alexander Fröhlich und Thorsten Metzner Potsdam - Die in die Immobilien-Affäre verwickelte Brandenburgische Boden Gesellschaft (BBG) hat überraschend neue Eigentümer. Sie ist zum Jahreswechsel über eine Holding an das Kölner Recycling-Unternehmen Interseroh verkauft worden, das unter dem Dach der Alba Group firmiert. Das bestätigte eine Unternehmenssprecherin am Montag. Die Berliner Alba-Brüder Axel und Eric Schweitzer, letzterer ist Präsident der Berliner IHK, halten 75 Prozent der Interseroh-Aktien, Axel Schweitzer ist Vorstandschef bei der Interseroh. Ihnen gehört damit faktisch seit Jahresbeginn die wegen ihrer Verkaufspraktiken bei Landeseigentum ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene BBG. Diese war 2006 vom Land für 635 000 Euro an die TVF Altwert des Unternehmers Frank Marczinek verkauft worden und vermarktet gegen Millionenhonorar als Treuhänder für das Land frühere Militärflächen. Zu welchen Preis die frühere Landesfirma vier Jahre nach der Privatisierung weiter veräußert wurde, ist bislang nicht bekannt.
BBG gehört jetzt den Alba-Brüdern

vom 18.01.2011
Affären-Firma hat einen neuen Eigentümer / Ermittlungen gegen Speer eingestellt.
Für das Finanzministerium, das wegen der Affäre die BBG bereits an die kurze Leine genommen hatte, hat der Wechsel keine Konsequenzen. Sprecherin Ingrid Mattern bestätigte, dass das Ministerium darüber "in Kenntnis gesetzt wurde". Ein Genehmigungsvorbehalt existiere nicht. Eine entsprechende Klausel war im Jahr 2009 - unter dem damals als Finanzminister zuständigen SPD-Politiker Rainer Speer - erneuerten Vertrag getilgt worden. Die Änderung der Eigentümerstruktur der BBG tangiere den Geschäftsbesorgungsvertrag mit dem Land nicht, sagte Mattern.
Trotz des Verkaufs seiner Firma ist Marczinek, der sich nicht äußern wollte und auf die Alba-Gruppe verwies, weiter BBG-Geschäftsführer. Er steht seit August 2010 unter Druck, als erstmals bekannt wurde, dass die BBG unter seiner Ägide die Krampnitz-Kaserne in Potsdams Norden 2007 weit unter Wert verkauft hatte, wodurch dem Land offenbar ein Schaden in Millionenhöhe entstand. Auch der Landesrechnungshof kam in einem Sonderbericht zu diesem Ergebnis. Wie berichtet will die Staatsanwaltschaft Potsdam in Kürze Ermittlungen wegen des Verdachts auf Untreue einleiten. Zudem befasst sich ein Untersuchungsausschuss des Landtages mit der Immobilienaffäre. Die neue Wendung schlug sofort Wellen. CDU-Obmann Dierk Homeyer forderte Finanzminister Helmuth Markov (Linke) auf, den Vertrag mit der BBG einzufrieren und auf den Prüfstand zu stellen. Letzte Woche hatte der Finanzausschuss dem Verkauf zweier Militärflächen zugestimmt - "ohne zu wissen, dass wir jetzt Geschäfte mit Alba machen", sagte Homeyer.
Unterdessen hat die Berliner Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen den über eine Unterhaltsaffäre gestürzten Ex-Innenminister Speer (SPD) wegen des Verdachts einer uneidlichen Falschaussage in einem Medienprozess eingestellt. Speer hatte dort erklärt, dass er im Umfeld der Geburt nicht davon ausging, der Vater des Kindes zu sein. Ebenfalls eingestellt wurde das Verfahren gegen die Ex-Geliebte, die die Urheberschaft kompromittierender E-Mails bestritten hatte. Wegen geringer Schuld und der bereits erfolgten Beschädigung durch die Veröffentlichungen müsse auch in ihrem Fall kein Verfahren geführt werden, so die Behörde.







